An alle Öko-Diktatoren:
ihr habt mir echt den Appetit verdorben!
Nur weil ich alle Jubeljahre
zu McDonalds, KFC oder Burger King fahre,
bin ich gleich ein schlechter Mensch?
Außerdem, ich stimm euch zu:
zu viel Fleisch is auch nicht gut.
Ich ess ja selber nur ganz wenig …
mal ab und zu n‘halbes Hähnchen,
beim Bäcker lecker Fleischkäsbrötchen,
Pizza, Burger oder Döner,
sind ja eh nur halb so schlimm,
da is ja viel Gemüse drin.
Höchstens mal bei Freunden
oder unterwegs,
ne Packung Crispy Bacon Flakes,
in Uni-Mensa und Kantine,
ist das quasi schon Routine;
es gibt ja auch kaum Auswahl dort.
Außer vor nem halben Jahr,
da gabs sogar nen Veggie-Tag!
Ja gut, da war ich grad nicht da …
war bei Mutti eingeladen,
lecker Knödel und Rouladen,
sonst wär ich auch mal hingegangen,
bin ja schließlich unbefangen.
Doch ihr seht ja schon:
ich ess kaum Fleisch.
Und wenn ich alle hundert Jahre
dann mal ein Rindersteak verdaue,
kommt es, das steht außer Frage,
von meinem Metzger des Vertrauens.
Der passt auf seine Tiere auf,
oder der Bauer von dem er’s kauft.
Irgendeiner wird’s schon tun …
In Deutschland gibt es noch Gesetze,
hohe Strafen, sollte man sie verletzen.
Fünfmal täglich kommt der Tierschutz
und findet er ein Quäntchen Schmutz,
wird der Laden zwangsgepachtet,
jede Sau notgeschlachtet,
damit sie nicht mehr leiden muss.
Außerdem gibt’s, wie ich finde,
hunderttausend gute Gründe,
auch weiterhin sein Fleisch zu essen.
Der erste lautet: Tradition!
Es galt in grauer Vorzeit schon,
das alte Gesetz auf uns’rer Erde
vom Fressen und Gefressen werden.
Und Traditionen, die sind wichtig,
erweisen sich auch nie als nichtig.
Fehler ham wir nie begangen!
Frauen hatten Rechte, durften wählen,
Sklaven hat es nie gegeben,
in Herkunfts- und in Glaubensfragen waren wir
stets und immer unbefangen.
Bedenke außerdem, der du das Bodennreich
nach Nährstoffen durchwühle:
Pflanzen haben auch Gefühle!
Du Spargelschäler, Erbsenquäler,
Möhrenmörder, Bohnentöter!
Das ist doch keine Linsenweisheit:
das was du da kaust,
trägt bei zu einem Holokraut!
Ein Genozuccini sondergleichen!
Ein Pastinaken-Massaker,
begangen von Horden wilder Veganervandalen,
die abertausend von Tomaten-Soldaten
aufknüpfen an einem Galgen aus Algen,
verwursten und dann in Massen-Salaten begraben!
… welcher Lauch,
ist euch Veganern eigentlich
über die Leberwurst gelaufen?
Euren missionarischen Eifer find ich echt zum kotzen,
sowas kann ich echt nicht leiden;
es soll halt jeder selbst entscheiden.
Eines darf man nämlich nie vergessen:
Hitler hat auch kein Fleisch gegessen!
Ja, ich seh da schon Zusammenhänge,
also verschone mich mit solchen Zwängen.
Jeder soll doch einfach mampfen,
ungehemmt und ungeniert,
wie der Schnabel ihm gewachsen;
das hat schon immer funktioniert!
Wenn jeder einfach nur das tut,
worauf er Bock hat, was er möchte,
geht’s doch allen ziemlich gut –
wär das nicht beste?
Leben und leben lassen, sag ich immer.
…
So hab ich früher mal gedacht,
Veganer hab ich ausgelacht.
Ich hoff, die Ironie war klar
die Message lautet: lebt vegan.
Ich mach es selber erst seit kurzem,
es war ein weiter Weg.
Den Preis dafür haben andere bezahlt
und ich hab mal ausgerechnet,
wie viele denn von welcher Art:
Anderthalb Kühe oder Schafe,
vier dreiviertel ganze Gänse
achtzehn Puten, vierzehn Enten,
so grob geschätzt zwanzig Schweine
und sage und schreibe
dreihundertdreiundsiebzig Hühner
hab ich meinem Leben schon verschlungen …
und Hühnchen hab ich gern gegessen,
könnt ihr locker auf vierhundert runden.
Über dreißig Jahr‘ hab ich mich selbst belogen
war verblendet, hab verdrängt
was sie auch wollen, die da oben,
denn kein Mensch, der noch halbwegs vernünftig denkt
kann diese Massen-Scheiße unterstützen.
Die Wahrheit aber, Achtung:
Massen an tierischer Nahrung,
gibt’s nur aus Massentierhaltung!
Mein Gewissen quälte mich.
Es auszuschalten wird uns leider leicht gemacht,
ich denk, den meisten geht’s da ähnlich.
Man kauft Bio und ist glücklich,
ein grünes Siegel fürs Gewissen …
den Tieren geht’s nur leider weiterhin beschissen.
Aber eins kann ich euch sagen,
und zwar,
dass all die fiesen Fragen,
die unbewusst Tag für Tag und Stund für Stund
an unserem Gewissen nagen:
wo kam das her?
Wie wuchs es auf?
Hat’s gut gelebt und durft’s mal raus?
Mit seinen Artgenossen auf die Wiese,
ein bisschen frisches Gras genießen?
Stand’s in ner Box, wenn ja, wie lang?
Wie hoch, wie breit, wie eng, und wann?
Sein ganzes Leben, nur im Winter?
Was war mit den andern Rindern?
War‘n sie mal krank, wenn ja, warum?
Gab’s Antibiotikum?
Wenn ja, wie viele, welche Sorte –
da vergeh’n einem doch die Worte!
Wenn man den Metzger ganz vermessen
mit allen diesen Fragen quält …
dann kann man schnell einmal vergessen …
man wollt doch nur ein Schnitzel essen …
Doch alle diese Fragen sind pasé,
wenn man statt Tierleid Pflanzen wählt.
Fleisch oder nicht Fleisch,
ist also heut die Frage.
Und darüber kann man trefflich streiten
mit Kollegen & Kommilitonen,
in den verbotenen Zonen gesetzloser Internetforen,
unter Youtubevideos in den Kommentarsektionen –
aber lasst uns doch mal reden,
worüber wir uns alle einig sind:
egal ob Katz ob Kuh, ob Hund ob Rind,
das sind alles fühlende Persönlichkeiten,
die zumindest den Respekt verdienen,
dass wir sie nicht achtlos in Gaskammern treiben
wo sie schreien und leiden,
sie nicht in Massen züchten,
misshandeln und richten,
dass sie keine Ware, sondern Wesen sind.
Man darf sie nicht endlos
aufeinanderstapeln,
sie stundenlang durch sengende Hitze
zum Schlachthaus fahren,
sie wie Aktenschrott
durch einen Schredder jagen.
Es muss ein Umdenken her und zwar radikal,
also wenn du im Supermarkt stehst vorm Regal,
dann lass die Müllermilch mal liegen,
die Fertigsauce mit Fleisch,
den Fisch aus der Dose, Sardellen, Sardinen,
die Eier, die Butter – es gibt tausend Alternativen!
Und wenn dein Leben ohne Fleisch
so traurig wär, so kümmerlich
(Spoiler-Alarm: isses nich),
dann schätz es wenigsten ein bisschen wert
iss es bewusst, nicht nebenher.
Veränderungen sind immer schwer,
fallen aber jedem leicht,
der Anteil nimmt an Schmerz und Leid,
auf seine inn’re Stimme hört,
der in sich geht und selbst bemerkt:
es isst nicht nur das Auge mit,
sondern auch das Herz.