Steiner

Es war mal einer
sein Name war Steiner
Rudi Steiner
Rudolf Steiner
so viel Zeit muss sein
seiner war er weit vorraus
Zeit mein ich

seinerzeit war landesweit keiner
auch nur halb so weit wie Steiner
und gerade weil er
so’n Typ war, so’n richtig geiler,
sachte Steiner,
hört mal zu ich bin nicht noch so einer
nicht noch so‘n Langeweiler,
bin der gottgesandte Heiler,
bin der größte gemeinsame Teiler,
und teil euch heut die Wahrheit mit
von der Wissenschaft, und zwar meiner.

Seine geheime Wissenschaft,
die hatte was, das wissen alle, fast
obwohl, eigentlich weiß es keiner
keiner außer Steiner.
Denn Steiner der konnt lesen,
ja, nich‘ einfach nur Bücher – das wär ja nix gewesen!
ne, Steiner die alte Keule
diese Lichtgestalt, diese Säule
des Erkenntnisstrebens,
der Wortgewalt,
des Seelenlebens,
warf ganz kühn einen Blick
in die – so heißt das wirklich – Akasha-Chronik

Akasha the fuck?
hab ich mich auch gefragt und mal gegoogelt,
was die olle Steinernudel
damals ausgesprudelt hat.

In jener Chronik steht geschrieben,
was der Welt im Kopf geblieben,
streng versiegelt und verborgen
dass auch nur wer auserkoren
aus ihr lese, was gewesen
sich von diesem Wissen nähre
und damit die Welt belehre

keiner konnt es,
keiner
außer einer … na, was meint er?
weiß es einer?
Richtig!
Steiner!

So fiel runter wie ein Ast,
die geheime Wissenschaft;
kennste? Haste nix verpasst.

Geheim? Geh heim, sagten seine Gegner,
Doch dem Guru war’s egal,
seinen Fans allemal
denn er hatte was von Rockstar
wie er dastand in der Schockstarr‘
strenge Augen, strenge Worte
trock’ner als die Wüste Gobi
so spannend wie ein Praktikum bei Obi,
(und ich meine nicht Wan Kenobi)

egal, die Leute waren ihm verfallen
und von allen wundervollen Fallen
in denen man in solchen Fällen
sich einfallslos verfangen kann
entsprang in jener Zirkelründe
dieser Einfall aller Münde:
lasst uns doch ne Schule gründen!

Die Waldorfschule war gedacht
mit Namentanzen, Silbenklatschen
Öko und Walpurgisnacht
mit Geisterwesen, Bäumen quatschen
Jahrsiebtelehre, Sonnenfesten
und bunten Flyern in Briefkästen.

Ach, was könnt ich euch erzählen
von Atlantis-Perlen, Engelsseelen
Ätherleib und Plastizieren,
mystisch malend musizieren
sich kanon-kreischend inkarnieren

ach die Waldis, lasst sie spinnen
bisschen tanzen, bisschen singen
was könnt denn als ein müdes Kringeln
meinem Mundwinkel entrinnen?

Jaaa,

doch unter ihnen gibt’s ganz Doofe,
und auf ihrer Seelenreise
glauben sie fast jede Scheiße
solange sie nicht mainstream ist
und bisschen auf die Pharma pisst
schlucken munter ihre Globuli,
die Kinder sah der Doktor nie
und langsam wird es allen klar:
ach wissen se, Steiner sacht ja:
statt impfen, lieber Euyrthmie

Aber echt, wen kümmert Herdenschutz?
Lasst sie suhlen sich im Schmutz
sieh, wie glücklich sie doch sind!
protzen brüsk die stolzen Eltern,
Impfgegner und Sorglosväter
es wächst daran der Leib aus Äther
von dem kleinen Jasper-Peter,
von Finn-Luka und Leander,
von Sophie und all den andern
und wenn stattdessen eben
Masern, Pocken, Polio wächst
ach, was zählt ein Kinderleben?
es härtet ab, was nicht umbringt
und selbst wenn
die Seele wird sich neu erheben
das nächste Leben kommt bestimmt.

Auch wenn sie’s gerne mal verdrängen
ich will das Kind beim Namen nennen:
Steiners kranke Körperkunde
sickert durch in jeder Stunde
wer, schwarzweißgehalten, goldgerahmt an allen Wänden
des Meisters strenge Züge späht
wer Aug‘ und Ohren offenhält, mal nachprüft
was dahintersteht,
begreift ganz schnell
wer im Hintergrund die Fäden zieht.

Aber jetzt mal Spaß beiseite,
was uns Steiner prophezeite,
ist tatsächlich wahrgeworden
Waldorf-Schul’n sind allerorten
der perfekte Gegensatz
zu uns’rer Ego-Alltagshatz
den ganzen Ellenbogenkämpfen
den Kapital- und Konsumkrämpfen

Nur auf den Eso-Kram könnt ich verzichten
denn ich seh, was er anrichtet.
Und eins hab ich erkannt:
Erkenntnis klappt nur, Hand in Hand
mit der Wissenschaft, und zwar der echten
drum werd‘ ich ewiglich anfechten
was hinter dem Gedanken Waldorf steht
bis einst was neues sich erhebt.

Dennoch, Taten zählen mehr als Worte
und es gibt von jener Sorte
mehr als reichlich an den Schulen
die mit Lieb‘, Geduld und Tugend
ihren Herzen Räume schaffen.

Was Steiner dazu beigetragen,
das muss ich mich bis heute fragen.
Aber, ach, ich läster
dabei war er gar kein schlechter,
halt ein wenig ausgeflippt
bisschen zu viel Absinth gekippt,
ich weiß es nich‘
drauf geschissen,
ich wills auch gar nicht wissen …

… nur eins weiß jedereiner:
das einzige Wahre war Steiner
gut, das war jetzt nicht meiner
aber so’n klitzekleiner,
musst ich mir halt leihen, leider
denn so sehr man sich auch müht
nicht ich, nicht du, keiner
wird je so sein wie Steiner.